Fasnacht: Back to the days

Als die Luzerner Fasnacht noch Gesichter hatte

Es gab eine Zeit, in der die Luzerner Fasnacht jedem etwas sagte und die jeder gespürt hatte.
Die Fasnächtler übernahmen am Schmutzigen Donnerstag (SchmuDo) in den frühen Morgenstunden bei Nebel die Stadt Luzern, und damit begann sie: die Luzerner Fasnacht mit dem Urknall und dem «Fötzaliregen» auf dem Kapellplatz. Damals war die Fasnacht kein Event und keine Party, sondern ein Zustand, Tradition und wildes Maskentreiben.

Eine schillernde Person, Leopold Häfliger, stand für die Luzerner Fasnacht, die aus der Mitte der Gesellschaft kam. Er war eine Persönlichkeit mit Haltung, Humor und Tiefgang.


Doch er war nicht allein, es gab einige gleichgesinnte Charaktere wie Max Baumann, Bruno Koch und Josef Ebinger. Gemeinsam repräsentierten sie die Luzerner Fasnacht, die sie von Herzen feierten. Die Fasnacht seit Ende der 1950er-Jahre wurde von einer ganzen Schar Luzerner Künstler geprägt. Die erste Guggenmusig wurde 1947 von Sepp Ebinger gegründet.

Bruno Koch, Gründer der Bohème Musig 1950, brachte Kreativität und gestalterisches Flair mit, gepaart mit Respekt gegenüber dem Brauchtum.

Er gab der Musig den Namen Bohème (französisch für Kunst), und nach zwei Jahren gesellte sich Leopold Häfliger dazu, der fortan mit seinen typischen «Pöldi Grinde» die Musig mitprägte. Gespielt wurden vor allem Märsche wie Aida, Wilhelm Tell, Kavallerie usw. Natürlich kakaphonisch schräg und schrill.

Josef Ebinger (Luzerner Original Guggenmusig) und Max Baumann (Chatzemusig) waren ebenfalls bekannte Luzerner Künstler und Grafiker. Dieser Kreis hielt alles zusammen, in dem Kreativität entstehen konnte, und es entstand ein wahrer Guggenmusig-Boom in Luzern. Diese Gruppe war das Herz der Luzerner Fasnacht von damals. Sie verwandelten Kneipen in Bühnen und Gassen in Treffpunkte, an denen das Zusammensein, die Musik und der Humor spontan entstanden.
Die Masken, die sogenannten «Grinde», waren ein Ausdruck und keine Verkleidung. Jeder trug seinen Grind individuell, somit wusste man – wenn man die Leute kannte – anhand des Stils schon, wer sich dahinter verstecken könnte.

In einer Zeit ohne digitale Mittel blieben das Gesagte und die Bilder im Moment verankert. Man lachte erneut über Szenarien, diskutierte und widersprach sich am nächsten Tag wieder. Es gab in dieser Zeit auch etliche Fasnachtszeitungen wie das Guuggi oder das Nebelhorn, in welchen mit Texten und Karikaturen zeitgemässe Geschehnisse und die Obrigkeit aufs Korn genommen wurden. Leopold Häfliger, Bruno Koch, Max Baumann und Josef (Sepp) Ebinger standen genau dafür: Ehrlichkeit, Tiefgründigkeit und Nahbarkeit in der Stadt Luzern, kombiniert mit Witz und Ausgelassenheit.

Es waren Zeiten, in denen das seriöse Leben mal beiseitegeschoben werden konnte und man sich wirklich geistig und kreativ ausleben konnte. Es gab keine Gesetze für die Fasnacht, jeder interpretierte sie so, wie es für ihn stimmte.

Im Verlauf der Jahre hat sich an der Luzerner Fasnacht vieles verändert, sie ist viel grösser geworden: Von ursprünglich wenigen Gruppierungen hat sich die Zahl der Guggenmusiken bis heute auf rund 80 erhöht. Sie wurden zudem auch schneller und professioneller. Früher hörte man öfter ein paar schiefe Töne, und die Luzerner Fasnacht stand dafür, dass es nicht um Perfektion, sondern um das Zusammensein und den Spass geht.

In den letzten Jahren wird die Luzerner Fasnacht von vielen, insbesondere von jüngeren Besuchern, zunehmend als reine Partyveranstaltung wahrgenommen. Dabei handelt es sich in erster Linie um ein wichtiges Brauchtum und eine tief verankerte Tradition, zu der moderne Partymusik wie Techno eigentlich nicht gehört. Zudem zieht die Luzerner Fasnacht mittlerweile Menschen aus der ganzen Schweiz und zahlreiche Touristen an, was das Fest noch grösser und lebhafter werden lässt.

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